Viszerales Fett ist das Fett, das tief im Bauchraum rund um Deine Organe liegt, und es verhält sich anders als das weiche Polster der Haut. In gesundem Maß bettet und schützt es Deine Organe, im Übermaß bildet es jedoch Botenstoffe, die stille Entzündungen fördern und Herz, Leber und Stoffwechsel belasten können. Das weiche Unterhautfett, das Du zwischen den Fingern fühlst, gilt dagegen als weitgehend harmlos und an Hüften und Oberschenkeln sogar als schützend. Gutes und schlechtes Fett unterscheiden sich also vor allem durch ihren Ort: außen wärmend und polsternd, innen ein stiller Wächter, der gesehen werden möchte, ehe er zu groß wird.
Hallo MenschLicht,
in meinem Beitrag Was die Unterhaut wirklich für Dich leistet sind wir zusammen ins Unterhautdorf hinabgestiegen und haben Herrn Fett kennengelernt, den treuen Hüter, der Dich wärmt, polstert und durch magere Zeiten trägt. Heute gehe ich mit Dir einen Schritt weiter, hinein in eine Frage, die mich selbst lange gequält hat: Gibt es gutes und schlechtes Fett? Und wenn ja, woran erkenne ich den Unterschied?
Als ich jung war, habe ich jedes Gramm Fett an mir für einen Feind gehalten. Damals wusste ich noch nicht, dass zwei sehr verschiedene Bewohner beide „Fett“ heißen und doch ein ganz unterschiedliches Leben führen. Komm mit, ich stelle sie Dir vor.
„Fett. Fett. Fett.“, warum Herr Fett einen schlechten Ruf hat
In der HautStadt gibt es eine Stimme, die jeden Morgen über die Dächer trägt. Sie gehört dem Marktschreier, der weit oben an seinem großen Megafon steht, und an manchen Tagen ruft er nur ein einziges Wort, wieder und wieder: „Fett. Fett. Fett.“ Er ruft es so, wie man von einem Feind spricht. Zu viel davon, weg damit, wer etwas auf sich hält, kämpft dagegen an.
Ich kenne diese Stimme gut. Sie klingt wie die Diätwerbung, die Kalorientabelle, der strenge Blick in den Spiegel. Und sie hat einen Trick: Sie dreht das Wahre so lange, bis es falsch klingt. Als Herr Fett ruhig sagt „Ich halte Vorräte bereit, für die kalten Tage“, macht der Marktschreier daraus „Er hält zurück, während andere frieren“. Erst als Frau Kollagen seine glänzenden Fläschchen ins Licht hält und sie eines nach dem anderen leer sind, wird sichtbar, dass seine Versprechen hohl waren.
Genau das möchte ich heute mit Dir tun: die Fläschchen umdrehen und ehrlich hinschauen. Herr Fett verdient seinen guten Ruf zurück, und zugleich liegt in der Sorge ums Fett ein wahrer Kern. Beides darf nebeneinander stehen.
Die guten Bewohner: weißes, braunes und beiges Fett

Wenn Du durch das Unterhautdorf gehst, triffst Du zuerst die Familie Speicher. Jeder von ihnen trägt einen prall gefüllten, bernsteinfarbenen Krug vor dem Bauch und füllt auf, solange die Tage hell sind. Das ist das weiße Fett, der große Energiespeicher Deines Körpers. Über Jahrtausende hat es Deine Vorfahren durch lange Winter getragen. Was die Welt da oben verächtlich „zu viel“ nennt, war über die meiste Zeit der Menschheit ein Versprechen: dass niemand verhungern muss, wenn schwere Zeiten kommen.
Ein paar Gassen weiter wird die Luft warm. Dort wohnen die Glutwangen, winzige Wesen mit glühenden Backen, die viele kleine Feuer hüten. Das ist das braune Fett. Seine Aufgabe ist Wärme: Es verbrennt Energie und heizt Dein KörperUniversum. Als Baby hattest Du davon reichlich, heute sitzt es in kleinen Depots im Nacken, am Schlüsselbein und entlang der Wirbelsäule. Und manchmal krempelt ein Speicherer die Ärmel hoch und macht selbst Wärme, wenn es kalt wird oder viel Bewegung herrscht. Dann wird aus weißem Fett ein wärmendes beiges Fett.
Diese Bewohner sind die guten Seiten des Fetts. Sie wärmen, polstern, speichern und tragen. Sie wohnen in der tiefsten Schicht Deiner Haut, im Unterhautdorf, dort, wo Du sie zwischen den Fingern fühlen kannst. Mehr über seine Aufgaben findest Du in Was die Unterhaut wirklich für Dich leistet, und wie die drei Dörfer Deiner HautStadt zusammenwirken, habe ich Dir dort aufgeschrieben.
Der stille Vetter im KörperUniversum
Doch einmal zieht ein Schatten über Herrn Fetts Gesicht. „In dem, was die Welt da oben ruft, liegt ein winziger wahrer Kern“, sagt er. Dann führt er die junge Frau durch ein Tor am unteren Ende des Dorfes, hinein ins KörperUniversum, den weiten, warmen Himmel, der in jedem von uns leuchtet. Dort kreisen die großen Lichter, Deine Organe, in ruhigen Bahnen.
Zwischen ihnen, im Halbdunkel, sitzt ein Bewohner, der Herrn Fett zum Verwechseln ähnlich sieht: sein Vetter. Sie sind am selben Tag geboren, aus demselben Stoff. Der Vetter bettet die großen Lichter, hält sie und wirft sich dazwischen, wenn das Leben stößt. In gesundem Maß ist auch er ein treuer Wächter. Das ist das viszerale Fett, das tief im Bauchraum rund um Leber, Darm und Herz liegt.
Der Unterschied zeigt sich, als die junge Frau genauer hinsieht. An vielen Stellen ist der Vetter unruhig geworden, drängt und presst sich gegen die großen Lichter und lässt ihnen kaum noch Raum. Das rote Herzenslicht schlägt schwerer, ein feiner, warmer Dunst macht die Luft schwer. „Ein Zuviel tut weh“, sagt der Vetter leise. „Bei ihm sieht man es. Bei mir fühlt man es.“
Warum man schlechtes Fett oft gar nicht sieht
Darin liegt der eigentliche Unterschied zwischen den beiden. Wächst Herrn Fetts Dorf über seine Gassen hinaus, sieht man es sofort von außen, und die Welt ruft es laut. Der Vetter aber wächst dort, wo kein Auge hinreicht. Darum kannst Du einen flachen Bauch haben und trotzdem viszerales Fett in Dir tragen, und ein weiches Bäuchlein sagt umgekehrt wenig über die Menge im Inneren.
Und der Vetter bleibt rege. Das viszerale Fett gilt als „aktives Fett“: Es bildet Botenstoffe, sogenannte Zytokine, die stille Entzündungen auslösen können, sowie einen Vorläufer von Angiotensin, der den Blutdruck steigen lässt. Im Übermaß steht es mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer Fettleber in Verbindung. Deshalb spürt man den Vetter, lange bevor man ihn sieht.
Was den Vetter unruhig macht
Herr Fett sagt einen klugen Satz: „Was keine Ruhe findet, trägt fast immer einen Mangel in sich. Er wächst dort, wo etwas fehlt.“ Genau so verhält es sich beim viszeralen Fett. Es wächst oft dort, wo dem Leben etwas fehlt: Ruhe, Schlaf, Bewegung, echte Nahrung.
Ein großer Antreiber ist Dauerstress. Das Stresshormon Cortisol gibt Deinem Körper das Signal, gerade im Bauchraum Vorräte anzulegen. Viel Zucker und stark verarbeitetes Essen füttern den Vetter zusätzlich, und langes Sitzen lässt ihn wachsen, weil kaum etwas von seiner Energie gebraucht wird. Der Vetter erzählt Dir damit vor allem davon, wie umsorgt Dein Inneres ist.
Was Herrn Fett und seinen Vetter nährt

Die gute Nachricht aus der HautStadt: Der Vetter hört zu, sobald ihn jemand wirklich wahrnimmt. Er wird ruhiger, als die junge Frau ihn endlich ansieht. Gesehenwerden ist die Kost, die ihn besänftigt. Übersetzt in Deinen Alltag heißt das:
- Bewegung, die Dir Freude macht. Spaziergänge, Treppen statt Aufzug und etwas Kraft im Alltag bringen das KörperUniversum in Fluss und geben dem Vetter weniger Grund, sich aufzustauen.
- Echtes Essen mit guten Fetten. Leinsamen, Walnüsse, Leinöl und fetter Fisch liefern die Bausteine, die Deine Zellen wirklich nähren. Gemüse, Obst und Ballaststoffe halten die stillen Entzündungen klein. Eine pflanzenbetonte, mediterrane Küche tut Deinem Inneren spürbar gut.
- Schlaf und MeTime. Wenn Cortisol zur Ruhe kommt, kommt auch der Vetter zur Ruhe. Pausen nähren Dich, ganz wie gutes Essen.
Wie Dich Deine Haut von innen versorgt, habe ich Dir ausführlich in gesunde Haut von innen aufgeschrieben. Und wie sich all das in Frieden mit dem eigenen Körper verwandelt, beginnt in Deiner WohlfühlHaut.
Gutes und schlechtes Fett: ein versöhnlicher Blick
In Deiner HautStadt gibt es keinen Feind. Herr Fett wärmt und trägt Dich, und sein Vetter bettet Deine Organe und bittet einzig darum, gesehen und umsorgt zu werden. Der Einzige, der hohle Versprechen verkauft, ist der Marktschreier mit seinen leeren Fläschchen, und seine Stimme darfst Du heute leiser werden lassen. Lange habe ich ihr geglaubt und jedes Gramm Fett an mir für einen Gegner gehalten. Womöglich kennst Du diese Stimme auch, die ruft, es sei immer noch zu viel.
Was bleibt, ist ein neuer, milderer Blick auf Dich selbst. Dein Körper ist seit Anbeginn Deiner Lebenszeit für Dich da. Er hält Dich warm, polstert Dich, schützt Dein Innerstes und meldet sich, wenn ihm etwas fehlt. Ihm zuzuhören und gut für ihn zu sorgen ist die freundlichste Antwort, die Du ihm geben kannst, und sie trägt Dich weiter als jeder Kampf gegen die eigene Figur.
Herrn Fett, seinen stillen Vetter, Frau Kollagen und Frau Hornzelle triffst Du alle in meinem Märchen „Das Herz der Haut“ – einer Geschichte, die das ganze Unterhautdorf und seine Nachbarn lebendig werden lässt.

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Häufige Fragen zu viszeralem Fett
Was ist der Unterschied zwischen viszeralem und subkutanem Fett?
Subkutanes Fett ist die tiefste Schicht Deiner Haut, Du kannst es zwischen den Fingern fühlen. Es wärmt, polstert und gilt als weitgehend harmlos. Viszerales Fett liegt tief im Bauchraum um die Organe, ist hormonell aktiv und im Übermaß mit Gesundheitsrisiken verbunden.
Ist Bauchfett immer ungesund?
Ein gewisses Maß an viszeralem Fett ist normal und bettet Deine Organe. Erst im Übermaß bildet es vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe und belastet Herz, Leber und Stoffwechsel.
Kann ich viszerales Fett haben, obwohl ich schlank bin?
Ja. Weil viszerales Fett tief im Inneren liegt, kannst Du einen flachen Bauch haben und trotzdem viel davon tragen. Bewegung, Schlaf, wenig Zucker und echtes Essen wirken hier stärker als jede Diät von außen.
Hilft Bewegung gezielt gegen Bauchfett?
Regelmäßige Bewegung gehört zu den wirksamsten Wegen, viszerales Fett zu verringern. Schon moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche zeigt Wirkung, am besten verbunden mit gutem Schlaf und ruhigeren Stressphasen.
Deine Ivonne
PS: Du darfst in Deiner WohlfühlHaut ankommen. 👣
Quellen
- Cleveland Clinic: Visceral Fat: What It Is & How It Affects You https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/24147-visceral-fat
- Harvard Health Publishing: Taking aim at belly fat https://www.health.harvard.edu/newsletter_article/taking-aim-at-belly-fat
Hinweis
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen, Beschwerden oder Unsicherheiten wende Dich bitte an eine fachkundige medizinische Person.






